„Der Arsch ist das, was in die Luft muss, alles andere ist egal.“ Das jedenfalls meint Holli, als ich ihm mehr oder weniger vermitteln will, dass ich als Student keine Knete habe, um nächstes Jahr viel in die Luft gehen zu können. Da bleiben mir nur die wenigen Flugschüler, die mich durch die Gegend kutschieren, ein paar Thermikflüge, Seilrissübungen und das ganze Drumherum — „Hauptsache der Arsch ist in der Luft.“
weiterlesenaus Holz gebaut
bespannt, gelackt
ist’s heut’ doch eher
die Lahme
ganz zugestaubt
und voll gekackt.
Die großen Zeiten
sind längst vorüber
heut herrscht allerlei
Plastik
um zu sagen
mit Holz mag’s keiner wagen
auf die Sekunde kommt’s nun an
ob sowas da noch mithalten kann?
piep piep piep piep piep piep… der Ton des Variometers wird immer höher und wandelt sich von einem monotonen Brummen in einen nicht enden wollenden hektischen Rhytmus. Langsam beginne ich zu steigen, zähle innerlich 21, 22, 23 und lege das Segelflugzeug schwungvoll in die Seite. Elegant steuere ich uns mit den drei Rudern in das Zentrum des Aufwindes. „Puh, wenn das so bleibt, steige ich bis an die Wolkenuntergrenze und gleite dann weiter zu nächsten Wolke“, so mein Plan.
3 m/s integriert, schon lange nicht mehr so einen guten „Bart“ gehabt. Bart, hat in diesem Moment nichts mit den Simpsons zu tun. So werden vielmehr liebevoll die Aufwinde bei den Segelfliegern genannt. Meine Euphorie über den Erfolg meiner Suche nach den Aufwinden stimmen mich freudig. Ich kreise über einen kleinen Wald, noch etwas tief, aber 300 m über dem Boden, gen Himmel. Ab und an kommen Greifvögel mit in den Aufwind. Jedes Mal bin ich erstaunt über die Intelligenz und die Anmutung dieser Tiere. Wir sind ca. 20 Mal größer als sie, könnten Feinde sein — und doch wissen sie, dass wir ihnen nichts antun.
Ich steige weiter, das Piepen des Varios habe ich verinnerlicht, wie meinen Herzschlag. Das Fliegen geht mir wie das Fahrrad fahren von der Hand, intuitiv zentriere ich und korrigiere die Lage, sobald das Steigen abzunehmen scheint. Erklingt das Piepen, weiß ich sofort was zu tun ist; meine Stimmung steigt. Nach weiteren Metern des Höhengewinns erreiche ich die Wolkenuntergernze und gleite mit einem Affenzahn zur nächsten Wolke, das Piepen verstummt und wechselt zu einem dunklen, monotonem Brummen: mööööööööööööööööööööööööp, möööööööööööööööööp…
Mit 200 km/h heize ich also weiter, voll freudiger Erwartung auf den nächsten Aufwind. Von hier oben sieht alles so klein aus, man erkennt nur schemenhaft Häuser, Straßen und Autos. Alles zusammen ergibt Städte, Landschaften und Leben. Die Sonne malt mit ihrer Energie schillernde Töne in den Horizont. Alles ist von hier oben im Einklang. Ich drehe das Vario leis und genieße die Stille. Wahnsinn.
Nach ein paar Minuten erreiche ich die Wolke, ziehe das Flugzeug instinktiv im richtigen Moment hoch, verlangsame so die Fahrt und lege es behutsam in die Kurve. Erst jetzt bemerke ich, dass ein kleiner Greifvogel die selbe Idee hatte. Er fliegt ganz dicht an meine Seite und beobachtet mich. Sein kleines Köpfchen dreht sich immer wieder zu mir herüber. „Wow“, denke ich, „wie schön ist das denn?“ Gemeinsam steigen wir empor. Da der kleine Piepmatz viel kleiner und leichter ist , sehe ich nach ein paar Minuten nur noch seine Silhouette über mir.
Segelfliegen ist etwas ganz einzigartiges, was nicht jeder Mensch erleben kann, bzw. darf. Ich bin so froh, meine Heimat, meine Kraft, meine Ruhe, meine Energie daraus schöpfen zu können. Solche Momente sind einzigartig und geben mir viel Kraft. Es ist etwas ganz besonderes, ein Previleg.
Erst im nächsten Bart werde ich merken, dass ich mein Vario gar nicht mehr brauche und lasse es aus…
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