— Die Gedanken sind frei

foto-am-12-06-2010-um-12-12 Das war sie also nun, die „Aus­zeit“, die mein Leben neu sor­tie­ren sollte. 67 Tage Leben und Arbei­ten auf einem Süd­ti­ro­ler Berg­bau­ern­hof lie­gen hin­ter mir, 67 Tage vol­ler neuer Erfah­run­gen und Ein­drü­cke, neuen Freun­den und einer neuen Sicht auf mein Leben. Am Beginn der Reise habe ich mir vor­ge­stellt, wie der Weg in die­ses neue Leben wohl sein wird. Flach, stei­nig, hüge­lig, oder gar hoch­al­pin? Wie wird mich die Fami­lie Tha­ler auf­neh­men, wie werde ich mit der Kul­tur, der Spra­che und vor allem den Anfor­de­run­gen an die harte Arbeit klar kom­men? Alles Fra­gen und Gedan­ken, die mir als Film im Kopf herum schwirr­ten. Gedan­ken, Zukunf­st­ängste und viele Fra­gen in mei­nem Kopf — als net­ter Kino­film lief er in der Haupt­vor­stel­lung — super Kopf­kino, kann ich jedem Emp­feh­len — nein, wohl eher nicht. Denn schließ­lich kommt alles anders, als man denkt…

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s1120002 Wir sind voll in der Heu­ernte, sodass ich kaum Zeit finde, den Blog in der ange­mes­se­nen Form wei­ter zu schrei­ben. Heute aller­dings, dem Wet­ter sei Dank, kann ich mich für ein paar Zei­len davon steh­len und einen klei­nen Über­blick über die ver­gan­ge­nen Tage geben.

Seit ver­gan­ge­nen Sams­tag, den 05. Juni, befin­den wir uns mit­ten in der Heu­ernte. Viel­mehr sind wir gerade dabei das Heu zu schnei­den und trock­nen zu las­sen. Bau­ern Luis hat etwa 5 ha Wiese, die Stück für Stück abge­mäht wird. Die Hälfte wer­den wir in einer Woche schaf­fen, denn bis zum 13. Juni werde ich noch auf dem Hof sein und helfen.

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img_0294 Ja, ihr habt rich­tig gele­sen. Heute stand nun end­lich mal das Höl­len­tal auf dem Pro­gramm. Es ging es schon um 8.00 Uhr in der Früh vom Berg­bau­ern­hof. Den Weg hin­un­ter nach St. Pan­kraz kenne ich mitt­ler­weile wie aus dem FF. Nor­ma­ler­weise dau­ert der Weg hin­un­ter ca. 50 Minu­ten. Heute jedoch — es ist Sonn­tag — hat Simon Beeck, Mode­ra­tor bei 1Live, wie­der ange­ru­fen, um mit mir ein Inter­view für die Sen­dung „Der Tag in …“ auf­zu­neh­men. Es ist irgend­wie ganz wit­zig, wenn man aus Köln ange­ru­fen wird, um einem Radio­sen­der ein Inter­view zu geben. Nach­her hört man sich dann sel­ber im Radio und ist ent­setzt über seine eigene Stimme. Naja, jeden­falls war das Gespräch wie­der mal rich­tig lus­tig. So kam es auch, dass ich erst gegen 9:20 Uhr in St. Pan­kraz ange­kom­men bin. Denn unter­wegs habe ich noch Sepp getroffen…

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s1110005 Der Tag sollte so schön enden, wie er begon­nen hat. Mit Holz. Seit Tagen bin ich wie­der dabei Holz zu spal­ten, damit es die Fami­lie Tha­ler im Win­ter nicht kalt hat. Das sah auch bis etwa 17:30 Uhr so aus, bis aller­dings Helge, eher im vor­bei gehen, frug: „Willst du mal sehen, wie ein Kalb zur Welt kommt?“ — Na klar will ich ;) Darum bin ich ja auch hier… also alles ste­hen und lie­gen gelas­sen, die Video­ka­mera geholt und schnell in den Stall.

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s1080002 Das Tolle an Freun­den bzw. an Freund­schaf­ten ist, dass egal wie lange man sich nicht mehr gese­hen hat, und sich irgendwo oder irgend­wie wie­der trifft, die Gesprä­che schein­bar an der Stelle wei­ter geführt wer­den, an der sie vor gerau­mer Zeit been­det wur­den. Dabei ist es egal, wie weit die Freunde aus­ein­an­der woh­nen, oder wie oft sie zwi­schen­durch Mail-Kontakt hat­ten. Ein ganz beson­de­rer Freund hat mich zusam­men mit sei­ner Freun­din am Sonn­tag besucht.

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… oder ver­sucht es zumin­dest, aber seht selbst. Kein Mensch und kein Tier ist übri­gens dabei zu Scha­den gekommen.

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p1000639 Ich weiß nicht genau, wie ich die­sen Tag begin­nen soll, bzw. aus wel­cher Sicht ich die­sen Tag schrei­ben soll. Der Tag han­delt näm­lich einer­seits von der Stille, vom Genie­ßen der Natur, vom Schwei­gen und von der Inspi­ra­tion. Auf der ande­ren Seite han­delt der Tag aber auch vom katho­li­schen Glau­ben, sei­nen Sakra­men­ten und sei­nen Grund­sät­zen. Gerade in die­sen Zei­ten ist es schwie­rig, neu­tral über die Kir­che und seine Glau­bens­grund­sätze zu schrei­ben, gerade aber auch, weil ich mit mei­ner Ein­stel­lung in einem Kul­tur­kreis gelan­det bin, dem diese Glau­bens­grund­sätze Halt geben und Teil der Kul­tur ist.

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p1000612 So, heute war es dann soweit. Simon Beeck von 1Live hat ange­ru­fen, gerade in dem Moment, als ich mir mein Mar­me­la­den­bröt­chen in den Mund schie­ben wollte.  Das Inter­view für das sonn­täg­li­che Maga­zin: „Die Woche in…“ — heute mit mir in der Haupt­rolle. Simon erzählte zunächst ein paar Dinge, dass er gleich die Auf­zeich­nung star­ten würde, weil es nicht Live gesen­det wird. Er begann mit einem kur­zen Intro über die Kate­go­rie und stellte mich den Hörern vor. Das heu­tige Inter­view diente zunächst ein­mal, um den Hörern einen Ein­druck über den Bau­ern­hof zu ver­mit­teln. Das Inter­view war ganz lus­tig, beson­ders als er fragte, warum denn die Bau­ern über­haupt Hilfe benö­ti­gen. Ant­wort: „Ja, äh, weil… keine Ahnung…“ — Wurde zum Glück raus geschnitten :)

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Was haben diese vier Begriffe bit­te­schön mit­ein­an­der zu tun? Eigent­lich nix, rich­tig. Aber wo wir gerade dabei sind erzähle ich euch die kleine Story vom Zaun, Holz, Auto und von 1Live.

p1000526 Da ihr sicher­lich schon wisst, dass ich in bestimm­ten Krei­sen „Holz­man“ genannt werde, liegt der Ver­dacht nahe, dass auch heute wie­der der Tag viel mit Holz zu tun haben wird. So war es auch. Luis, Ste­fan und ich haben Nach­schub besorgt, nach­dem ich schon den gan­zen Vor­mit­tag fleis­sig Holz gespal­ten hatte. Gemein­sam sind wir in den Wald gefah­ren, um die vom Holz­fäl­ler geern­te­ten Bäume in Mund gerechte Stü­cke zu zer­sä­gen und auf dem Rip­per auf den Hof zu brin­gen. An die­ser Stelle muss ich noch mal erwäh­nen, dass es echt der Ham­mer ist, wie viel Holz die Fami­lie fürs Hei­zen, Kochen und Backen benö­tigt. Sobald die „Holz­la­ger“ voll sind, werde ich euch mal einen foto­gra­fi­schen Ein­druck posten.

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p1000450 Der erste Tag nach meine „Heim­reise“ ist ange­bro­chen. Ich fühle mich super, rich­tig gut und bereit in die Hände zu spu­cken. Eini­ges ist pas­siert, seit ich am Sams­tag nach Deutsch­land auf­ge­bro­chen war. Das und wei­te­res gibt es hier zu erzäh­len. Wer keine Lust hat, oder wer sich ein wenig die Gegend anse­hen will — er wird erstaunt sein, wie sehr der Früh­ling durch­kommt — der kann sich das Video ansehen.

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