Das war sie also nun, die „Auszeit“, die mein Leben neu sortieren sollte. 67 Tage Leben und Arbeiten auf einem Südtiroler Bergbauernhof liegen hinter mir, 67 Tage voller neuer Erfahrungen und Eindrücke, neuen Freunden und einer neuen Sicht auf mein Leben. Am Beginn der Reise habe ich mir vorgestellt, wie der Weg in dieses neue Leben wohl sein wird. Flach, steinig, hügelig, oder gar hochalpin? Wie wird mich die Familie Thaler aufnehmen, wie werde ich mit der Kultur, der Sprache und vor allem den Anforderungen an die harte Arbeit klar kommen? Alles Fragen und Gedanken, die mir als Film im Kopf herum schwirrten. Gedanken, Zukunfstängste und viele Fragen in meinem Kopf — als netter Kinofilm lief er in der Hauptvorstellung — super Kopfkino, kann ich jedem Empfehlen — nein, wohl eher nicht. Denn schließlich kommt alles anders, als man denkt…
Wir sind voll in der Heuernte, sodass ich kaum Zeit finde, den Blog in der angemessenen Form weiter zu schreiben. Heute allerdings, dem Wetter sei Dank, kann ich mich für ein paar Zeilen davon stehlen und einen kleinen Überblick über die vergangenen Tage geben.
Seit vergangenen Samstag, den 05. Juni, befinden wir uns mitten in der Heuernte. Vielmehr sind wir gerade dabei das Heu zu schneiden und trocknen zu lassen. Bauern Luis hat etwa 5 ha Wiese, die Stück für Stück abgemäht wird. Die Hälfte werden wir in einer Woche schaffen, denn bis zum 13. Juni werde ich noch auf dem Hof sein und helfen.
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Ja, ihr habt richtig gelesen. Heute stand nun endlich mal das Höllental auf dem Programm. Es ging es schon um 8.00 Uhr in der Früh vom Bergbauernhof. Den Weg hinunter nach St. Pankraz kenne ich mittlerweile wie aus dem FF. Normalerweise dauert der Weg hinunter ca. 50 Minuten. Heute jedoch — es ist Sonntag — hat Simon Beeck, Moderator bei 1Live, wieder angerufen, um mit mir ein Interview für die Sendung „Der Tag in …“ aufzunehmen. Es ist irgendwie ganz witzig, wenn man aus Köln angerufen wird, um einem Radiosender ein Interview zu geben. Nachher hört man sich dann selber im Radio und ist entsetzt über seine eigene Stimme. Naja, jedenfalls war das Gespräch wieder mal richtig lustig. So kam es auch, dass ich erst gegen 9:20 Uhr in St. Pankraz angekommen bin. Denn unterwegs habe ich noch Sepp getroffen…
Der Tag sollte so schön enden, wie er begonnen hat. Mit Holz. Seit Tagen bin ich wieder dabei Holz zu spalten, damit es die Familie Thaler im Winter nicht kalt hat. Das sah auch bis etwa 17:30 Uhr so aus, bis allerdings Helge, eher im vorbei gehen, frug: „Willst du mal sehen, wie ein Kalb zur Welt kommt?“ — Na klar will ich ;) Darum bin ich ja auch hier… also alles stehen und liegen gelassen, die Videokamera geholt und schnell in den Stall.
Das Tolle an Freunden bzw. an Freundschaften ist, dass egal wie lange man sich nicht mehr gesehen hat, und sich irgendwo oder irgendwie wieder trifft, die Gespräche scheinbar an der Stelle weiter geführt werden, an der sie vor geraumer Zeit beendet wurden. Dabei ist es egal, wie weit die Freunde auseinander wohnen, oder wie oft sie zwischendurch Mail-Kontakt hatten. Ein ganz besonderer Freund hat mich zusammen mit seiner Freundin am Sonntag besucht.
… oder versucht es zumindest, aber seht selbst. Kein Mensch und kein Tier ist übrigens dabei zu Schaden gekommen.
Ich weiß nicht genau, wie ich diesen Tag beginnen soll, bzw. aus welcher Sicht ich diesen Tag schreiben soll. Der Tag handelt nämlich einerseits von der Stille, vom Genießen der Natur, vom Schweigen und von der Inspiration. Auf der anderen Seite handelt der Tag aber auch vom katholischen Glauben, seinen Sakramenten und seinen Grundsätzen. Gerade in diesen Zeiten ist es schwierig, neutral über die Kirche und seine Glaubensgrundsätze zu schreiben, gerade aber auch, weil ich mit meiner Einstellung in einem Kulturkreis gelandet bin, dem diese Glaubensgrundsätze Halt geben und Teil der Kultur ist.
So, heute war es dann soweit. Simon Beeck von 1Live hat angerufen, gerade in dem Moment, als ich mir mein Marmeladenbrötchen in den Mund schieben wollte. Das Interview für das sonntägliche Magazin: „Die Woche in…“ — heute mit mir in der Hauptrolle. Simon erzählte zunächst ein paar Dinge, dass er gleich die Aufzeichnung starten würde, weil es nicht Live gesendet wird. Er begann mit einem kurzen Intro über die Kategorie und stellte mich den Hörern vor. Das heutige Interview diente zunächst einmal, um den Hörern einen Eindruck über den Bauernhof zu vermitteln. Das Interview war ganz lustig, besonders als er fragte, warum denn die Bauern überhaupt Hilfe benötigen. Antwort: „Ja, äh, weil… keine Ahnung…“ — Wurde zum Glück raus geschnitten :)
Was haben diese vier Begriffe bitteschön miteinander zu tun? Eigentlich nix, richtig. Aber wo wir gerade dabei sind erzähle ich euch die kleine Story vom Zaun, Holz, Auto und von 1Live.
Da ihr sicherlich schon wisst, dass ich in bestimmten Kreisen „Holzman“ genannt werde, liegt der Verdacht nahe, dass auch heute wieder der Tag viel mit Holz zu tun haben wird. So war es auch. Luis, Stefan und ich haben Nachschub besorgt, nachdem ich schon den ganzen Vormittag fleissig Holz gespalten hatte. Gemeinsam sind wir in den Wald gefahren, um die vom Holzfäller geernteten Bäume in Mund gerechte Stücke zu zersägen und auf dem Ripper auf den Hof zu bringen. An dieser Stelle muss ich noch mal erwähnen, dass es echt der Hammer ist, wie viel Holz die Familie fürs Heizen, Kochen und Backen benötigt. Sobald die „Holzlager“ voll sind, werde ich euch mal einen fotografischen Eindruck posten.
Der erste Tag nach meine „Heimreise“ ist angebrochen. Ich fühle mich super, richtig gut und bereit in die Hände zu spucken. Einiges ist passiert, seit ich am Samstag nach Deutschland aufgebrochen war. Das und weiteres gibt es hier zu erzählen. Wer keine Lust hat, oder wer sich ein wenig die Gegend ansehen will — er wird erstaunt sein, wie sehr der Frühling durchkommt — der kann sich das Video ansehen.