— Die Gedanken sind frei

Was aus 2011 bleibt…

Die Party ist gefei­ert, das alte Jahr ist vor­über und die Frage steht im Raum: was ist vom letz­ten Jahr geblieben?

Im April habe ich mein iPhone ver­kauft und muss sagen, dass ich es nicht ver­misse. Ganz im Gegen­teil, denn ich genieße die wie­der gewon­nene Frei­heit! Nicht mehr Teil des Sys­tems zu sein, das ist gut für mich. Ich habe es als einen radi­ka­len Ein­schnitt in mei­nem Leben ver­stan­den. Ich wollte nicht, dass meine Freun­din mich vor die Wahl setzt «iPhone oder ich»! Im April hatte ich noch das iPhone 3G und über­legte, mir das iPhone 4 zu kau­fen. Da so etwas bei mir län­ger dau­ert und ich erst mal alles inten­siv in mei­nem Kopf (und diver­sen Excel-Tabellen) durch­rechne, kam ich im Laufe der Über­le­gun­gen zu der Frage: „Warum brau­che ich ein iPhone?“.

Glei­ches geschah mit face­book. „Hei­ner, du lebst ja quasi auf face­book!“ So in etwa wurde ich diverse Male von mei­nen Freun­den ange­spro­chen, was mir zunächst impo­nierte. Ja, ich war am Puls der Zeit, ich war da und konnte mit­re­den. Neues im Netz kannte ich als einer der ers­ten und schrieb sogleich mei­nen Senf zu jedem Post. Die Klicks auf den „gefällt mir“ But­ton gaben mir Zustim­mung und unter­stri­chen mein Gefühl. Das sollte sich jedoch ändern, weil ich gemerkt habe, dass der gegen­wär­tige gesell­schaft­li­che Stress mich voll im Griff hatte. Mir wurde es zu viel, immer und über­all erreich­bar zu sein. Jetzt hätte ich es mir ja auch ein­fach machen kön­nen, indem ich nicht täg­lich ins Netz gehe und bei face­book vor­bei schaue. Oder ein­fach mein iPhone aus­schalte. Ha, Leute, schon mal ver­sucht ‘nem Alko­hol­ab­hän­gi­gen die Fla­che weg­zu­neh­men? – Ja, ich war süch­tig nach face­book! Und face­book macht es mir auch nicht ein­fach, aus die­sem Netz aus­zu­stei­gen. Ver­sucht doch mal euren Account zu löschen – sooooo ein­fach geht das näm­lich nicht! Nach­dem ihr die Seite gefun­den habt und mehr­mals bestä­tigt, dass ihr es ernst meint mit der Löschung, wird der Account nur in einen „Schlaf­mo­dus“ gelegt. Die Löschung fin­dest erst dann statt, sobald ihr nicht inner­halb von 4 Wochen nach Löschauf­trag euch wie­der ein­ge­loggt habt – Ver­glei­che Alko­ho­li­ker und Bier­fla­sche wegnehmen!

Achso, der Daten­schutz (haha, sehr wit­zig) von face­book ist grot­tig. Sie spei­chern ALLES und behal­ten die Rechte an den Daten der Nut­zer. Ich kann mich erin­nern, als es in den 90gern nicht nur eine Demons­tra­tion gegen den Lausch­an­griff gab. Der CIA und andere Behör­den kom­men vor Lachen doch nicht mehr in den Schlaf! Die Nut­zer geben bereit­wil­lig ihre Daten preis und selbst deut­sche Poli­zei­be­hör­den fahn­den mitt­ler­weile via face­book. Wo fängt es an, wo geht es wei­ter – und vor allem, wie weit geht es damit?

Das erin­nert mich an mein erste eige­nes Handy. Eigent­lich sollte ich mit den 100 Mark neue Kla­mot­ten kau­fen. Meine Schwes­ter sollte dar­auf auf­pas­sen, dass es dabei auch bleibt. Zusam­men sind wir dann mit ein paar Freun­den nach Müns­ter gefah­ren. Da ich Shop­pen hasste, konnte ich mich mit mei­nem Des­in­ter­esse von den Mädelz los­rei­ßen und stand urplötz­lich in einem Tele­kom laden. Ich weiß bis heute nicht, wie ich da rein gekom­men bin. Alles wei­tere ging dann ganz schnell. Ich habe mir ein Alca­tel one touch easy db für 99 Mark gekauft und hatte mein ers­tes Handy. Das war im Jahr 1999. Meine Mut­ter ver­langte nicht nur eine Erklä­rung son­dern auch die 99 Mark zurück. Irgend­wie, viel­leicht dank mei­ner her­vor­ra­gen­der Über­zeu­gungs­ar­beit (Mama, ich bin ab jetzt immer erreich­bar) durfte ich das Handy behal­ten und musste auch keine 99 Mark zurück zahlen.

Ich war ab die­sem Zeit­punkt – und bin es bis jetzt – immer erreich­bar gewe­sen (irgend­wie jeden­falls). Face­book ist sicher­lich toll, keine Frage. Aber nicht so und nicht mit mir!

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